Wenn du genug Zeit in Bodybuilding-Gyms verbringst, hörst du früher oder später immer dieselben Sätze. Einer der häufigsten lautet bis heute: „Testosterone. The undisputed king of anabolic steroids.“ Klingt dramatisch – aber dieser Satz hat Jahrzehnte überlebt, und das nicht ohne Grund. Das Problem ist nur: Die meisten wiederholen ihn, ohne das große Ganze zu verstehen. Dieser Guide dreht sich genau um diesen fehlenden Kontext – darum, was diese Substanzen wirklich sind, wie über sie gesprochen wird und warum die Realität deutlich komplexer ist als ein simples Vorher-Nachher-Foto.
Was die Leute wirklich meinen, wenn sie von „Steroids“ sprechen
In der Bodybuilding-Szene bedeutet „Steroids“ fast immer anabol-androgene Steroide (AAS). Das sind synthetische Verbindungen, die entwickelt wurden, um die Wirkung von Testosteron nachzuahmen oder zu verstärken. Deshalb drehen sich fast alle Diskussionen früher oder später um Ester wie Testoviron, Sustanon, Enanthate oder Cypionate. Unterschiedliche Freisetzung, gleiches Hormon, gleiche biologische Basis. Wie man so schön sagt: „Testosterone is a staple in bodybuilding.“
Egal ob jemand über Bulking, Cutting oder Recomposition spricht – Testosteron wird fast immer als Fundament beschrieben. Viele fassen es simpel zusammen: „Whether you're bulking or cutting, it's a go-to for serious athletes.“

Wie Substanzen meist nach Ziel gruppiert werden
| Hauptziel | Häufig genannte Substanzen | Warum sie gewählt werden |
|---|---|---|
| Bulking | Testosterone, Anadrol, Dianabol | Schneller Anstieg von Körpergewicht und Kraft |
| Cutting | Anavar, Winstrol, Trenbolone | Fettabbau bei Erhalt der Muskelmasse |
| Hybrid / Recomposition | Testosterone + ausgewählte Substanzen | Stabile hormonelle Basis mit gezielten Effekten |
Diese Tabelle ist keine Empfehlung. Sie zeigt das Denkmuster, das viele bei solchen Gesprächen verwenden. Dieses Muster zu verstehen ist wichtig, bevor man über die Entscheidungen dahinter urteilt.
Testosteron: das hormonelle Fundament
Testosteron ist der Referenzpunkt für alles andere. Wenn Zahlen genannt werden, tauchen fast immer Bereiche wie 300–1.000 mg pro Woche auf, mit Zyklen von 8 bis 12 Wochen. Diese Zahlen werden so oft wiederholt, dass sie längst Teil der Gym-Folklore sind.
Die Attraktivität von Testosteron liegt nicht nur in der Muskelmasse. Nutzer sprechen von mehr Energie, schnellerer Regeneration, gesteigertem Drive und insgesamt besserer Leistungsfähigkeit. Die Kehrseite taucht jedoch genauso regelmäßig auf: Akne, Aggressivität, erhöhte Libido und bei längerem Missbrauch kardiovaskuläre Probleme sowie hormonelle Dysbalancen.
Genau deshalb bringen erfahrene Athleten immer PCT ins Spiel. Der Satz „restoring your natural testosterone production after a cycle is key to staying healthy“ existiert nicht ohne Grund – Unterdrückung ist keine Möglichkeit, sondern eine Erwartung.
Anavar (Oxandrolon): der Favorit fürs Cutting
Oxandrolon Anavar gilt als „saubere“ Substanz. Oft hört man, es sei „a game-changer in the world of cutting“, weil es hilft, fettfreie Muskelmasse zu erhalten, während Körperfett reduziert wird. Typisch sind Angaben von 20 bis 80 mg pro Tag.
Mit einer Halbwertszeit von etwa 9 Stunden gilt Anavar als gut kontrollierbar. Die vergleichsweise niedrige androgene Aktivität lässt es harmloser erscheinen, doch genau diese Wahrnehmung kann trügerisch sein.
Auch wenn Anavar milder ist als viele andere AAS, sind Leberbelastung und hormonelle Störungen bei längerer Anwendung oder höheren Dosen real. Die Unterdrückung mag geringer sein, aber sie ist nie null – weshalb auch hier PCT-Diskussionen auftauchen.
Trenbolon: extreme Ergebnisse, extreme Verantwortung
Trenbolon steht in einer eigenen Liga. Es wird oft mit dem Satz eingeführt: „This steroid is in a league of its own.“ Typische Angaben liegen bei 200 bis 600 mg pro Woche über Zyklen von 8 bis 12 Wochen.
Schneller Muskelaufbau, aggressiver Fettabbau und ein dichter, harter Look werden häufig genannt. Gleichzeitig berichten Nutzer von Aggression, Schlaflosigkeit, Nachtschweiß, erhöhtem Blutdruck und massiver Unterdrückung der körpereigenen Testosteronproduktion.
Deshalb hört man hier besonders oft: „It’s not for the faint of heart.“ Trenbolon wird kaum ohne deutliche Warnungen erwähnt, und PCT gilt nach der Anwendung als unumgänglich.
Anadrol (Oxymetholon): Masse mit Preis
Anadrol steht sinnbildlich für schnellen Massezuwachs. Als eines der stärksten oralen Steroide wird es meist im Bereich von 25 bis 100 mg pro Tag genannt, begrenzt auf kurze Zyklen von 4 bis 6 Wochen.
Kraftzuwächse, schnellere Regeneration und deutliche Gewichtszunahme treten oft früh auf. Gleichzeitig ist Anadrol berüchtigt für Lebertoxizität, Wassereinlagerungen, Blähungen und erhöhten Blutdruck.
Aufgrund der starken Unterdrückung ist PCT bei Anadrol fast immer Teil der Diskussion, besonders bei Kombinationen mit Testosteron oder Deca-Durabolin.
Dianabol: der klassische Bulking-Beschleuniger
Dianabol wird oft als „the steroid that defined an era“ bezeichnet. Mit einer kurzen Halbwertszeit von 3 bis 5 Stunden erklärt sich die schnelle und deutlich spürbare Wirkung.
Schnelle Kraftsteigerungen, sichtbare Muskelprallheit und rasche Gewichtszunahme werden häufig beschrieben. Auf der anderen Seite stehen Wassereinlagerungen, Akne, Reizbarkeit und erhöhte kardiovaskuläre Belastung.
Die Unterdrückung der natürlichen Testosteronproduktion ist ausgeprägt, weshalb PCT nach einem Dianabol-Zyklus als Pflicht und nicht als Option gilt.
Winstrol (Stanozolol): Definition und Härte
Winstrol steht für Feinschliff statt roher Masse. Häufig genannt werden 20 bis 50 mg pro Tag über 6 bis 8 Wochen.
Muskelhärte, Vaskularität und ein trockener, wettkampftauglicher Look sind typische Assoziationen. Gleichzeitig werden Gelenkbeschwerden, Haarausfall, Leberbelastung und Testosteronunterdrückung genannt.
Deshalb taucht Winstrol selten als alleinige Lösung auf und wird meist zusammen mit Testosteron oder Trenbolon diskutiert.
Deca-Durabolin (Nandrolon): langsam, konstant, unterdrückend
Deca-Durabolin ist für längere Zyklen bekannt. Typisch sind Angaben von 200 bis 600 mg pro Woche, Zyklen von 10 bis 12 Wochen und eine Halbwertszeit von 6 bis 12 Tagen.
Viele loben Deca für den positiven Effekt auf die Gelenke und gleichmäßige, stabile Fortschritte ohne extreme Wassereinlagerungen. Gleichzeitig ist die starke Testosteronunterdrückung – oft als „Deca Dick“ bezeichnet – eine der bekanntesten Nebenwirkungen.
Da die Unterdrückung lange nach Zyklusende anhalten kann, spielt die Regenerationsplanung bei Deca eine besonders große Rolle.
Clenbuterol: kein Steroid, trotzdem umstritten
Obwohl kein Steroid, taucht Clenbuterol häufig in Cutting-Diskussionen auf. Typische Bereiche liegen bei 20 bis 120 Mikrogramm pro Tag, meist mit schrittweiser Steigerung.
Clenbuterol erhöht den Stoffwechsel über Thermogenese. Zittern, Nervosität, Schlaflosigkeit, erhöhter Puls und kardiovaskulärer Stress werden häufig berichtet.
Die Langzeitsicherheit ist nicht abschließend geklärt, weshalb Clenbuterol-Gespräche meist von Vorsicht statt Euphorie geprägt sind.
Mein ehrliches Fazit
Ich leugne die Realität nicht. Diese Substanzen existieren und haben die Bodybuilding-Kultur über Jahrzehnte geprägt. Doch hinter jeder Aussage über „massive gains“ steckt ein zweiter Satz, der selten in Social-Media-Posts passt: Hormone, Gesundheitswerte, Regeneration und langfristige Konsequenzen.
Bevor man sich auf Milligramm, Stacks und Zeitpläne fixiert, ist es wichtiger zu verstehen, was diese Substanzen bewirken – und was sie kosten. Manchmal ist der klügste Fortschritt nicht chemisch, sondern mental.
